Frankfurter Rundschau zu Edith Piaf - Ma Vie

Das berühmte Leben 

Ein Abend für, von, über Edith Piaf in der Katakombe

Obwohl Ute Büttner ein schwarzes Kleid trägt und einen Samtmantel, macht sie glücklicherweise in keinem Moment den Fehler, ernsthaft Edith Piaf zu spielen.Sie bleibt durchaus Ute Büttner, die die Lieder der Piaf singt, die die Lieder der Piaf gerne singt, mit Leidenschaft, auch mit der erforderlichen Röhre. Dann ist die Katakombe zu klein für ihre Stimme, aber das müssen die Zuschauer aushalten, wenn sie Lieder von der ganz großen Liebe, der ganz großen Wut, der ganz großen Ausgelassenheit und dem ganz großen Willen hören wollen. Wenn Ute Büttner singt, lässt sie sich anmerken, dass sie sich hineindenken kann in einen Menschen, bei dem die Gefühle überhaupt erst bei ganz groß anfangen. Deshalb ist man dieser Mensch ja noch lange nicht. Ute Büttner singt also Lieder von Edith Piaf, trefflich begleitet von Claudia Hornbach am Akkordeon.

 

 

Zwischendurch erzählt die Sängerin ausführlich aus dem extraordinären Leben der Frau, die 1915 als Tochter eines Artisten und einer Nougatverkäuferin geboren wurde und 1963 am selben Tag wie Jean Cocteau starb. Sie erzählt entlang ihrer beinharten Kindheit, ihrem anstrengenden Werdegang und noch anstrengenderen Berühmtsein, von ihren Liebhabern, zu denen ungefähr jeder viel versprechende Mann ihrer Umgebung über kurz oder lang gehörte. Vor der Pause spielt sie eine ätzende Szene aus Cocteaus Der Schöne Gleichgültige. Darin versucht eine Frau ihren hinter einer Zeitung  verschanzten Mann in einen anständigen Streit zu verwickeln. Cocteaus Vorbild war die Affäre der Piaf mit Paul Meurisse. Edith Piaf spielte die weibliche Hauptrolle. Die Szene ist ein Wagnis an einem Abend, an dem das Publikum von Kopf bis Fuß auf Milord, La vie en rose und Padam eingestellt ist. Bekommt es aber auch alles zu hören. Non, je ne regrette rien singt Ute Büttner erst als Zugabe. Als sie sagt, vor einem Lied habe sie sich bisher erfolgreich gedrückt, wissen schon alle, wovon sie redet. Sie macht auch hier ihre Sache prima. Einige Zuhörer machen klar, dass sie gerne noch mehr gehört hätten. Andererseits: Was sollte jetzt noch kommen? Jedenfalls noch mehr solcher Abende.

                                                           Frankfurter Rundschau 10.03.05, Judith von Sternburg

Frankfurter Neue Presse zu Edith Piaf - Ma Vie

 

Nein, es gibt nichts zu bereuen

Liebesaffären, der Suff und die Drogen: Edith Piaf vereinigt in ihrer Vita alle Begleiterscheinungen, die zu einem erfolgreichen (aber einsamen) Künstlerleben gehören. Eigentlich kaum zu glauben, dass das nur 48 Jahre währende, aber umso reichhaltigere Leben des „Spatz von Paris“ in knapp zwei Stunden „Kleinkunstprogramm“ überhaupt darstellbar ist. Aber die Schauspielerin Ute Büttner machte sich an die Arbeit, entwarf einen unterhaltsamen und informativen Text und stählte mit Erfolg ihre Stimme. Das regelmäßige Nippen am Rotweinglas wirkte ausgesprochen authentisch. Die Unsicherheiten, die sich im zweiten Teil beim Vortrag des Textes einschlichen, schienen auch auf das historische Vorbild zurückzugehen:

 

Wegen des alkohol- und tablettenbedingten Kontrollverlustes vergaß auch die Piaf am Ende ihres kurzen Lebens die Texte ihrer bekanntesten Lieder. Wie dem auch sei, Ute Büttner leistete mit ihrer Piaf-Retrospektive einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Chanson-Geschichte. Die typischen Merkmale der Piaf-Biographie lassen sich auf die Lebensgeschichte vieler anderer Künstler übertragen: Liebe und Leidenschaft, gegenseitiges Geben und Nehmen. Schaut man jedoch genauer hin, erkennt man  in der Person des singenden Künstlers den Eigenbrötler, mit dem es kein Partner lange aushält, und der eigentlich nur mit seiner Kunst liiert ist. Solche Zusammenhänge kamen überzeugend rüber und summierten sich zu dem Piaf-Zitat „Non je ne regrette rien, nein, ich bereue nichts“. Guten Anteil an den lohnenden Abend hatte die Akkordeonistin Claudia Hornbach, die mit flinker Hand viel französisches Klangkolorit hervorbrachte.

                                                             Frankfurter Neue Presse 10.03.05, Mathias Gerhart

 

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